Zum Inhalt springen

Glossar

Was ist Zero Trust?

Zero Trust ist ein Sicherheitsmodell nach dem Grundsatz „Niemals vertrauen, immer überprüfen“. Keine Person und kein Gerät gilt automatisch als vertrauenswürdig – auch nicht im eigenen Firmennetz.

Zero Trust einfach erklärt

Viele Firmennetze funktionieren noch wie eine mittelalterliche Burg: Mauer und Graben schützen nach außen, doch wer einmal drinnen ist, kann sich weitgehend frei bewegen. Dieses Modell stößt an Grenzen, seit Daten in der Cloud liegen, Beschäftigte von zu Hause arbeiten und Dienstleister Fernzugänge nutzen. Die Mauer hat schlicht zu viele Tore.

Zero Trust dreht die Logik um. Das Modell geht davon aus, dass ein Angreifer bereits im Netz sein könnte. Deshalb wird jeder einzelne Zugriff geprüft – egal, ob er aus dem Büro, dem Homeoffice oder dem Rechenzentrum kommt.

Ein Vergleich: Statt einer einzigen Pforte am Werkstor hat jede Tür im Gebäude einen Kartenleser. Ihre Karte öffnet nur die Räume, die Sie für Ihre Arbeit brauchen. Und wird sie zu ungewöhnlicher Zeit an ungewöhnlichem Ort benutzt, fragt das System nach.

So funktioniert Zero Trust

Zero Trust ist kein Produkt, das man kauft, sondern ein Architekturprinzip. Es ruht auf wenigen Grundsätzen:

  1. Jeden Zugriff prüfen: Vor jedem Zugriff wird geprüft, wer zugreift, mit welchem Gerät und in welchem Zusammenhang – etwa per Multi-Faktor-Authentifizierung und mit einer Kontrolle, ob das Gerät vom Unternehmen verwaltet wird und auf dem aktuellen Stand ist.
  2. Minimale Rechte: Jede Person und jedes System erhält nur die Rechte, die für die Aufgabe nötig sind – und möglichst nur so lange wie nötig.
  3. Kleine Zonen: Mikrosegmentierung teilt das Netz in sehr kleine Bereiche, zwischen denen nur ausdrücklich erlaubte Verbindungen möglich sind.
  4. Anwendungen statt Netze freigeben: Statt per VPN das ganze Netz zu öffnen, erhalten Nutzende gezielt Zugang zu einzelnen Anwendungen. Dafür steht der Begriff Zero Trust Network Access (ZTNA).
  5. Laufend überwachen: Anmeldungen und Zugriffe werden kontinuierlich ausgewertet, um Auffälligkeiten früh zu erkennen.

Eine Schlüsselrolle spielt die Identität. Häufig bündelt ein zentraler Identitätsdienst die Anmeldung für viele Anwendungen (Single Sign-On) und setzt dort einheitliche Regeln durch.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Ingenieurdienstleister mit vielen Beschäftigten im Homeoffice nutzt bisher ein VPN, das nach der Anmeldung das gesamte Firmennetz öffnet. Schritt für Schritt stellt er um: Anmeldung nur noch über eine zentrale Identität mit MFA, Zugriff nur auf die Anwendungen, die die jeweilige Rolle braucht, und nur von verwalteten, aktuellen Geräten.

Einige Monate später infiziert ein präparierter E-Mail-Anhang einen Laptop mit Schadsoftware. Früher hätte der Angreifer von dort aus das ganze Netz erkunden können. Jetzt erreicht er nur die Projektablage des betroffenen Mitarbeiters. Die Überwachung meldet ungewöhnliche Zugriffe, der Laptop wird isoliert – Buchhaltung und Server bleiben unberührt.

Warum ist das für Unternehmen wichtig?

Viele schwere Angriffe beginnen mit einem einzigen kompromittierten Konto oder Gerät. Entscheidend ist dann, wie weit der Angreifer von dort aus kommt. Zero Trust bremst genau diese Ausbreitung im Netz, die Fachleute Lateral Movement nennen.

Auch regulatorisch gewinnt das Thema an Gewicht: Die NIS2-Richtlinie nennt Zero-Trust-Grundsätze in ihren Erwägungsgründen als Beispiel für grundlegende Cyberhygiene – neben Software-Updates, Netzwerksegmentierung sowie Identitäts- und Zugriffsmanagement.

Gleichzeitig gilt: Zero Trust ist ein Weg, kein Schalter. Die Umstellung braucht Zeit, eine saubere Bestandsaufnahme und klare Zuständigkeiten. Halbherzig umgesetzt, entsteht leicht ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

So schützen Sie sich

  • Bestand erfassen: Klären Sie, welche Daten, Anwendungen und Zugänge besonders schützenswert sind und wer sie wirklich braucht.
  • Identitäten stärken: Führen Sie MFA für alle Konten ein – bevorzugt phishing-resistente Verfahren wie Sicherheitsschlüssel oder Passkeys – und bündeln Sie Anmeldungen zentral.
  • Rechte aufräumen: Entfernen Sie überflüssige Berechtigungen und trennen Sie Administratorkonten von Alltagskonten.
  • Netz segmentieren: Beginnen Sie mit den wichtigsten Grenzen, etwa zwischen Arbeitsplätzen, Servern und Produktion (Segmentierung).
  • Geräte einbeziehen: Lassen Sie nur verwaltete Geräte mit aktuellem Softwarestand auf sensible Anwendungen zugreifen.
  • Schrittweise vorgehen: Starten Sie mit einem klar umrissenen Bereich und überprüfen Sie die Wirkung regelmäßig mit Tests.

Wie Rootsektor unterstützt

Ob Ihr Zero-Trust-Konzept in der Praxis greift, zeigt ein realistischer Test. Im Penetrationstest für Netzwerk & Infrastruktur prüfen wir unter anderem, ob Segmentierung, Zugriffsregeln und Anmeldeverfahren einen Angreifer tatsächlich ausbremsen – interne Tests wahlweise vor Ort oder remote. Für Cloud-Identitäten bietet sich ergänzend ein Microsoft 365 & Azure Review an. Ihr Festpreisangebot nach dem Scoping erhalten Sie über unser Pentest-Angebot.

Fragen zu Zero Trust?

Sie möchten wissen, ob Segmentierung und Zugriffsregeln einem Angreifer standhalten? Wir stimmen den passenden Prüfumfang gern mit Ihnen ab.

Pentest-Angebot anfordern