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Glossar

Was ist SCADA?

SCADA-Systeme überwachen und steuern weit verteilte technische Anlagen von einer zentralen Stelle aus – etwa Stromnetze, Wasserwerke oder Pipelines. Sie sammeln Messwerte, zeigen den Zustand der Anlagen in der Leitwarte an und senden Steuerbefehle zurück.

SCADA einfach erklärt

SCADA steht für Supervisory Control and Data Acquisition, auf Deutsch etwa „Überwachung, Steuerung und Datenerfassung“. Gemeint sind Systeme, mit denen Betreiber technische Prozesse über große Entfernungen im Blick behalten und lenken.

Ein Vergleich aus dem Alltag: Denken Sie an die Verkehrsleitzentrale einer Großstadt. Auf großen Bildschirmen sieht das Personal, wo sich der Verkehr staut, welche Ampel ausgefallen ist und wo ein Tunnel gesperrt werden muss. Es greift von dort aus ein, ohne an jede Kreuzung fahren zu müssen. Ein SCADA-System leistet dasselbe für Pumpwerke, Umspannwerke oder Kläranlagen.

SCADA gehört zu den industriellen Steuerungssystemen, kurz ICS, und damit zur Operational Technology (OT). So nennt man die Technik, die physische Prozesse steuert, statt Daten zu verarbeiten wie die klassische Büro-IT.

So funktioniert SCADA

Ein SCADA-System besteht aus mehreren Ebenen:

  1. Sensoren und Aktoren: Sensoren messen Werte wie Druck, Füllstand oder Temperatur. Aktoren wie Pumpen, Ventile oder Schalter setzen Befehle um.
  2. Steuerungen vor Ort: Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und Fernwirkstationen (RTU, Remote Terminal Unit) lesen die Sensoren aus, steuern die Aktoren und übertragen die Daten an die Zentrale.
  3. Kommunikationsnetz: Die Daten laufen über Glasfaser, Funk, Mobilfunk oder gemietete Leitungen. Viele Industrieprotokolle – also die „Sprachen“, in denen die Geräte miteinander kommunizieren – stammen aus einer Zeit, in der Sicherheit kaum eine Rolle spielte. Das verbreitete Protokoll Modbus etwa sieht in seiner ursprünglichen Form keine Prüfung des Absenders vor: Ein Gerät führt Befehle aus, ohne zu kontrollieren, wer sie sendet.
  4. SCADA-Server: Er sammelt alle Daten, erkennt Grenzwertverletzungen und löst Alarme aus.
  5. Bedienoberfläche (HMI): In der Leitwarte zeigt das Human Machine Interface den Zustand der Anlagen und nimmt Befehle des Personals entgegen.
  6. Historian: Eine Datenbank speichert die Prozessdaten langfristig, etwa für Auswertungen und Nachweise.

Vom verwandten Prozessleitsystem (DCS, Distributed Control System) unterscheidet sich SCADA vor allem durch die räumliche Ausdehnung: Ein Prozessleitsystem steuert meist eine Anlage an einem Standort, SCADA verbindet Anlagen über viele Kilometer hinweg.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein kommunaler Wasserversorger überwacht Brunnen, Hochbehälter und Pumpwerke im gesamten Versorgungsgebiet über ein SCADA-System. Für die Fernwartung hat der Anlagenbauer vor Jahren einen Zugang eingerichtet, der direkt aus dem Internet erreichbar ist und nur durch ein Passwort geschützt wird.

Bei einer Sicherheitsprüfung zeigt sich: Über diesen Zugang ließe sich die Bedienoberfläche erreichen – und damit theoretisch eine Pumpe abschalten. Der Versorger stellt die Fernwartung auf eine verschlüsselte Verbindung um, die nur bei Bedarf freigeschaltet wird. Für die Anmeldung ist neben dem Passwort nun ein zweiter Nachweis nötig, eine sogenannte Multi-Faktor-Authentifizierung. Außerdem trennt er das Leitnetz, in dem die Steuerungstechnik arbeitet, konsequent vom Büronetz.

Warum ist das für Unternehmen wichtig?

Ein Angriff auf ein SCADA-System bedroht nicht nur Daten, sondern die Versorgung mit Strom, Wasser oder Wärme – und im Ernstfall Menschen und Umwelt. Gleichzeitig sind viele Anlagen über Jahrzehnte im Einsatz. Ihre Software lässt sich oft nicht einfach aktualisieren, weil ein Neustart den Betrieb unterbricht oder der Hersteller keine Updates mehr liefert.

Früher liefen viele SCADA-Systeme in weitgehend abgeschotteten Netzen. Heute sind sie zunehmend mit Büronetzen, Cloud-Diensten und Fernwartungszugängen verbunden. Damit sind sie für Angreifer leichter erreichbar und rücken in den Fokus staatlicher wie krimineller Gruppen.

Viele Betreiber, etwa in den Sektoren Energie und Wasser, zählen zu den Kritischen Infrastrukturen und unterliegen in Deutschland dem BSI-Gesetz, das auch die NIS2-Richtlinie umsetzt. Als Orientierung für die Absicherung dient häufig die Normenreihe IEC 62443.

So schützen Sie sich

  • Netze trennen: Trennen Sie das Leitnetz strikt vom Büronetz und lassen Sie nur ausdrücklich nötige Verbindungen über eine abgesicherte Zwischenzone zu, eine DMZ.
  • Fernwartung absichern: Nutzen Sie verschlüsselte Zugänge mit Multi-Faktor-Authentifizierung, schalten Sie sie nur bei Bedarf frei und protokollieren Sie jede Sitzung.
  • Inventar führen: Erfassen Sie alle Komponenten, Verbindungen und Softwarestände – schützen können Sie nur, was Sie kennen.
  • Systeme härten: Ändern Sie Standardpasswörter und deaktivieren Sie nicht benötigte Dienste und Schnittstellen – Fachleute sprechen von Härtung.
  • Auffälligkeiten erkennen: Überwachen Sie den Datenverkehr im Leitnetz, um ungewöhnliche Befehle oder neue Geräte früh zu bemerken.
  • Für den Notfall planen: Halten Sie Notfallpläne bereit – einschließlich eines Handbetriebs, falls die Leittechnik ausfällt.

Wie Rootsektor unterstützt

Mit einem Penetrationstest für OT, ICS/SCADA & IoT prüfen wir SCADA-Server, Bedienstationen, Fernwartungszugänge und die Übergänge zwischen Büro- und Leitnetz aus Sicht eines Angreifers. Der sichere Betrieb Ihrer Anlagen steht dabei an erster Stelle: Wir beginnen passiv und testen Steuerungen nur nach ausdrücklicher Freigabe – etwa in Wartungsfenstern oder an einem Testaufbau. Nach dem Scoping erhalten Sie ein Festpreisangebot – anfragen können Sie es über unser Pentest-Angebot.

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