OSINT einfach erklärt
„Open Source“ meint hier nicht freie Software, sondern offene Quellen: alles, was ohne Einbruch oder Passwort zugänglich ist. „Intelligence“ steht für Aufklärung. OSINT bedeutet also, aus vielen öffentlichen Puzzleteilen ein aussagekräftiges Gesamtbild zu legen.
Denken Sie an einen Einbrecher, der ein Haus tagelang beobachtet: Wann ist niemand zu Hause? Welches Fenster steht oft offen? Wann kommt der Paketdienst? Im Internet geht das bequemer – und völlig unauffällig. Der Angreifer verhält sich dabei wie ein gewöhnlicher Besucher oder greift gar nicht auf Ihre Systeme zu – deshalb bemerken Sie davon nichts.
Jede einzelne Information wirkt harmlos. Erst die Kombination macht sie wertvoll – für Angreifer ebenso wie für Sie. Wie eine solche Untersuchung für Unternehmen abläuft, beschreibt die Seite OSINT-Analyse.
So funktioniert OSINT
Eine OSINT-Recherche folgt meist einem festen Ablauf:
- Ziel festlegen: Was soll herausgefunden werden – etwa erreichbare Systeme, Ansprechpersonen oder geleakte Zugangsdaten?
- Quellen auswerten: Typische Quellen sind die Firmenwebsite, soziale und berufliche Netzwerke, Stellenanzeigen, das Handelsregister und Suchmaschinen. Technisch aufschlussreich sind DNS-Einträge – eine Art Telefonbuch des Internets – und öffentliche Verzeichnisse der Sicherheitszertifikate von Webseiten. Sie verraten oft Unteradressen (Subdomains), etwa für ein Testportal. Auch Metadaten, also versteckte Zusatzangaben in veröffentlichten Dokumenten wie Benutzernamen oder Softwareversionen, liefern Hinweise.
- Verknüpfen: Die Funde werden zusammengeführt. Aus Namen in Netzwerkprofilen und dem Aufbau einer bekannten E-Mail-Adresse lassen sich zum Beispiel die Adressen vieler Beschäftigter ableiten.
- Bewerten: Welche Informationen sind für einen Angriff nützlich, welche harmlos?
OSINT ist überwiegend passiv: Es werden keine Systeme angegriffen und keine Passwörter ausprobiert. Wer personenbezogene Daten sammelt, muss allerdings auch bei öffentlich zugänglichen Informationen den Datenschutz beachten. Seriöse Analysen arbeiten deshalb mit klarem Auftrag und nach dem Grundsatz der Datenminimierung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Logistikunternehmen sucht per Stellenanzeige eine Administratorin und nennt dabei Hersteller und Produkt seiner Firewall und seiner VPN-Lösung. In einem Karrierenetzwerk zeigen viele Beschäftigte offen ihre Rolle im Unternehmen. Der Aufbau der E-Mail-Adressen – vorname.nachname – lässt sich aus dem Impressum ablesen. In einem Zertifikatsverzeichnis taucht zudem eine Subdomain für ein Testportal auf, das niemand mehr pflegt.
Ein Angreifer hätte damit alles für einen gezielten Angriff: Er kennt die VPN-Lösung und kann nach passenden Schwachstellen suchen. Er kennt Namen und E-Mail-Adressen für Phishing oder Passwort-Spraying. Und er hat mit dem vergessenen Testportal einen möglichen Einstieg. Für keinen dieser Schritte musste er ein System des Unternehmens angreifen.
Warum ist das für Unternehmen wichtig?
Aufklärung ist in der Regel der erste Schritt eines gezielten Angriffs. Je mehr ein Angreifer über Ihr Unternehmen weiß, desto glaubwürdiger wirken seine E-Mails und Anrufe. Das reicht bis zum sogenannten CEO-Fraud, bei dem sich Täter als Geschäftsführung ausgeben und Überweisungen veranlassen – eine typische Form von Social Engineering.
OSINT macht außerdem Ihre tatsächliche Angriffsfläche sichtbar: Systeme, die niemand mehr auf dem Schirm hat, die aber noch aus dem Internet erreichbar sind. Ein konkretes Warnsignal ist es, wenn Zugangsdaten Ihrer Beschäftigten in Datenlecks oder im Darknet auftauchen, einem verborgenen, nur mit spezieller Software erreichbaren Teil des Internets.
Der Vorteil für Sie: Was Angreifer finden können, können Sie auch finden – und zwar zuerst.
So schützen Sie sich
- Eigene Spuren kennen: Prüfen Sie regelmäßig, was über Ihr Unternehmen öffentlich auffindbar ist.
- Stellenanzeigen bewusst formulieren: Beschreiben Sie Aufgaben und Kenntnisse, ohne Hersteller und Versionen Ihrer Sicherheitstechnik offenzulegen.
- Metadaten entfernen: Bereinigen Sie Dokumente vor der Veröffentlichung von Autorennamen, Dateipfaden und Softwareangaben.
- Leitlinien für soziale Netzwerke: Geben Sie Ihrem Team praxisnahe Hinweise, welche beruflichen Details besser nicht öffentlich sind.
- Vergessene Systeme abschalten: Führen Sie ein aktuelles Verzeichnis aller Domains und Subdomains und nehmen Sie Test- und Altsysteme vom Netz.
- Team sensibilisieren: Wer weiß, wie Angreifer recherchieren, erkennt gezielte Anfragen und Phishing-Mails eher.
Wie Rootsektor unterstützt
In einer OSINT-Analyse betrachten wir Ihr Unternehmen mit den Augen eines Angreifers: Wir recherchieren, welche Systeme, Angaben zu Personen und Technik sowie geleakten Zugangsdaten öffentlich auffindbar sind, und bewerten das Risiko. Sie erhalten einen verständlichen Bericht mit konkreten Handlungsempfehlungen. Ein Festpreisangebot nach dem Scoping können Sie über unser Pentest-Angebot anfordern.